{"id":244,"date":"2011-10-14T01:02:52","date_gmt":"2011-10-14T00:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nordic-dogs.ch\/?p=244"},"modified":"2019-10-16T13:08:52","modified_gmt":"2019-10-16T12:08:52","slug":"hunde-verstehen-menschen-am-besten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uss-rattler.ch\/nordic-dogs\/?p=244","title":{"rendered":"Hunde verstehen Menschen am Besten!"},"content":{"rendered":"<div><span style=\"font-size:14px;\"><strong>Max-Planck-Studie belegt: Einzigartige F&auml;higkeit von Hunden, mit Menschen zu kommunizieren, ist Resultat ihrer gezielten Domestizierung<\/strong><\/span><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p><span style=\"font-size:14px;\">Hunde sind geschickter als Menschenaffen, wenn es darum geht, Signale des Menschen richtig zu interpretieren und beispielsweise verstecktes Futter zu finden. Das haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts f&uuml;r evolution&auml;re Anthropologie und der Harvard University, Cambridge\/USA, jetzt herausgefunden. Im Gegensatz dazu verf&uuml;gen W&ouml;lfe, die von Menschen aufgezogen worden sind, nicht &uuml;ber diese F&auml;higkeiten, sehr wohl aber nur wenige Wochen alte Hundejunge, selbst wenn sie kaum Kontakt mit Menschen hatten. Diese Befunde belegen, dass Hunde ihre F&auml;higkeit, in einzigartiger Weise mit Menschen zu kommunizieren, nicht stammesgeschichtlich von den W&ouml;lfen geerbt oder individuell erst im Verlauf ihres Lebens erworben haben, sondern im Ergebnis ihrer permanenten Selektion durch den Menschen w&auml;hrend ihrer Domestizierung (Science, 22. November 2002).<br \/>\n\tJ&uuml;ngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Primaten &uuml;ber eine Reihe ausgezeichneter sozial-kognitiver F&auml;higkeiten verf&uuml;gen, um Gesten oder Hinweise von anderen zu verstehen. So sind viele Affenarten in der Lage, der Blickrichtung von Artgenossen oder von Menschen auf andere Objekte zu folgen &#8211; und auf diese Weise Nahrung einfacher zu finden, Feinde fr&uuml;her zu entdecken oder das Leben innerhalb ihrer Gruppe besser zu beobachten. Schimpansen k&ouml;nnen der Blickrichtung von Menschen sogar trotz ablenkender Reize folgen, auch dann, wenn das spezifische Ziel hinter einem Hindernis verschwunden ist. Sie verstehen auch, dass andere Artgenossen dann etwas nicht sehen k&ouml;nnen, wenn ihre Sicht durch ein Hindernis verstellt ist. Das sind Belege f&uuml;r ihr weit entwickeltes Verst&auml;ndnis, wie visuelle Wahrnehmung bei anderen funktioniert.<br \/>\n\tInteressanterweise gibt es eine Aufgabe, die von Primaten nur sehr schlecht gel&ouml;st wird. Bei der so genannten Objekt-Suche versteckt ein Wissenschaftler etwas Futter in einem von zwei lichtundurchl&auml;ssigen Gef&auml;&szlig;en. Der Affe kann nicht sehen, wo das Futter versteckt wird. Ihm wird nur erlaubt, eines der Gef&auml;&szlig;e auszuw&auml;hlen. Doch bevor der Affe mit dieser Aufgabe beginnt, gibt ihm der Forscher mit Zeichen zu verstehen, wo sich das Futter befindet, sei, dass er genau in diese Richtung schaut, dorthin zeigt, das richtige Gef&auml;&szlig; ber&uuml;hrt oder darauf irgendein Zeichen legt. Die Mehrzahl der Primaten kommt mit dieser Aufgabe nicht gut zurecht, und die wenigen, denen es eventuell doch gelingt, brauchen Dutzende von Versuchen daf&uuml;r.<br \/>\n\tHingegen zeigen die gleichen Tests bei den meisten Haushunden (Canis familiaris), dass diese die verschiedensten Hinweise des Menschen gut &quot;lesen&quot; k&ouml;nnen. Die Hunde sind sogar dazu f&auml;hig, ihnen unbekannte Gesten richtig zu interpretieren, zum Beispiel, wenn der Forscher etwas auf das richtige Gef&auml;&szlig; legt. Auch in wesentlich schwierigeren Tests sind sie erfolgreich, beispielsweise wenn ihr Trainer auf das richtige Gef&auml;&szlig; zeigt und gleichzeitig auf das falsche zugeht, oder wenn ihnen die Hinweise statisch gegeben werden: Beispielsweise kommt der Hund in einen Raum und sieht dort einen Menschen oder einen Artgenossen, der schon in die richtige Richtung schaut oder zeigt. Vielen Hunden gelang es, diese Aufgaben schon beim ersten Versuch zu l&ouml;sen. Lerneffekte spielten dabei keine Rolle.<br \/>\n\tIm Mittelpunkt dieser Tests steht die Frage: Wie haben Hunde ihre F&auml;higkeit, Hinweise eines Menschen verstehen zu k&ouml;nnen, tats&auml;chlich erworben? Dazu gab es bisher drei Hypothesen:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size:14px;\">Erstens, W&ouml;lfe k&ouml;nnen &#8211; wegen ihrer stammesgeschichtlichen Verwandtschaft &#8211; genauso gut wie Hunde die Hinweise von anderen verstehen. Danach sollten W&ouml;lfe &#8211; wegen ihres Zusammenlebens in Rudeln &#8211; sozial-kognitive Aufgaben sogar besser als Hunde erf&uuml;llen k&ouml;nnen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size:14px;\">Zweitens, Haushunde verf&uuml;gen &uuml;ber mehr Erfahrungen im Umgang mit Menschen als beispielsweise die meisten Primaten, und haben ihre F&auml;higkeiten w&auml;hrend ihrer individuellen Entwicklung erlernt. Demnach sollten diese F&auml;higkeiten bei jungen Hunden erst gering ausgepr&auml;gt sein.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size:14px;\">Die dritte Hypothese geht davon aus, dass Hunde w&auml;hrend ihrer Domestizierung immer wieder wegen ihrer F&auml;higkeiten zur Kommunikation mit dem Menschen selektiert wurden. Danach m&uuml;ssten die Tests zeigen, dass Hunde im Vergleich zu W&ouml;lfen &uuml;ber bessere sozial-kognitive F&auml;higkeiten verf&uuml;gen, die zudem nicht von der Dauer ihres Zusammenlebens mit Menschen abh&auml;ngen. Deshalb sollten auch junge Hunde, wenn sie ein bestimmtes Alter &uuml;berschritten haben, diese F&auml;higkeiten aufweisen.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size:14px;\">Um alle drei Hypothesen zu &uuml;berpr&uuml;fen, testeten die Wissenschaftler Affen, Hunde und W&ouml;lfe und verglichen die Ergebnisse (1) zwischen Affen und Hunden, (2) zwischen erwachsenen Hunden und W&ouml;lfen, die jeweils von Menschen aufgezogen worden sind, und (3) zwischen unterschiedlich alten Hunde- und Wolfsjungen, die zudem unterschiedlich intensiv mit Menschen zusammenleben.<br \/>\n\tAm ersten Experiment waren 11 Hunde und 11 Schimpansen beteiligt: Sie sollten &#8211; mit Hilfe der Hinweise eines Menschen &#8211; verstecktes Futter in einem von zwei Gef&auml;&szlig;en finden. Dabei zeigte der Experimentator auf das richtige Gef&auml;&szlig;, ber&uuml;hrte diesen oder legte ein St&ouml;ckchen darauf. Das Futter zu finden gelang 9 von 11 Hunden, aber nur 2 von 11 Schimpansen.<br \/>\n\tIm zweiten Experiment wurden jeweils sieben erwachsende Hunde und sieben W&ouml;lfe mit einer Reihe von Such-Aufgaben getestet. Die Hunde fanden dabei grunds&auml;tzlich mehr Futter als die W&ouml;lfe.<br \/>\n\tBeim dritten Experiment wurden f&uuml;nf Hunde und f&uuml;nf W&ouml;lfe mit einer individuellen Aufgabe darauf getestet. Ziel war zu pr&uuml;fen, ob Hunde tats&auml;chlich alle vom Menschen gestellten Aufgaben am besten l&ouml;sen. Bei diesem Test waren Hunde und W&ouml;lfe als Gruppe in etwa gleich gut.<\/span><\/p>\n<p>\n\t<span style=\"font-size:14px;\"><span style=\"color: rgb(165, 42, 42);\">Bilder liegen leider nicht mehr vor<\/span>.: In diesem Experiment erhalten Hundewelpen durch Zeigen auf zwei identisch aussehende Gef&auml;&szlig;e einen Hinweis auf das Versteck des Futters (Abb. 1a). Hat der Hund den Hinweis richtet gedeutet, muss er sich f&uuml;r eines der beiden Gef&auml;&szlig;e entscheiden (Abb. 1b) und das Futter finden (Abb. 1c).<br \/>\n\tFotos: Max-Planck-Institut f&uuml;r evolution&auml;re Anthropologie<\/span><\/p>\n<p>\n\t<span style=\"font-size:14px;\">Beim vierten Experiment schlie&szlig;lich wurden 32 Hundejunge im Alter von 9 bis 26 Wochen getestet. Einige dieser Welpen leben von Anfang an in einer menschlichen Familie, andere sind mit ihren Geschwistern im Tierheim aufgewachsen, wo sie jeden Tag nur f&uuml;r ein paar Minuten Kontakt mit Menschen haben. Diese Tests ergaben keinerlei Unterschiede in den Leistungen beider Gruppen. Auch in den Tests der Hunde nach Altersgruppen (9-12, 13-16, 17-24 Wochen) haben die Forscher keinen Einfluss des Lebensalters auf die Leistungen der Welpen festgestellt.<br \/>\n\tDie Studien belegen eindeutig, dass Hunde bei diesen Tests zum einen geschickter sind als Schimpansen, einem der n&auml;chsten Verwandten des Menschen, zum anderen auch als W&ouml;lfe, ihre n&auml;chsten Verwandten. Zudem zeigen die Tests, dass Hundejunge bereits sehr gewandt sind, unabh&auml;ngig davon, wie alt sie sind und in welchem Ma&szlig; sie gemeinsam mit Menschen aufwachsen.<br \/>\n\tDie Wissenschaftler fanden zudem, dass Hunde und W&ouml;lfe sich bei individuellen Aufgaben nicht unterscheiden, was zeigt, dass Hunde die W&ouml;lfe nicht in allen vom Menschen geleiteten Aufgaben &uuml;bertreffen. &quot;Insgesamt unterst&uuml;tzen unsere Ergebnisse die Voraussagen nicht, wonach Hunde ihre F&auml;higkeit entweder von W&ouml;lfen geerbt oder durch intensiven Kontakt mit Menschen erworben h&auml;tten. Vielmehr belegen die Tests die Hypothese drei, wonach Hunde ihre F&auml;higkeiten zur sozialen Kommunikation mit Menschen w&auml;hrend ihres langen Domestizierungsprozesses erworben haben,&quot; betont Brian Hare, einer der Autoren der Studie.<\/span><\/p>\n<p>\n\t<span style=\"font-size:14px;\">&quot;Unsere Erkenntnisse belegen, dass zwischen zwei sehr eng verwandten Tierarten, wie Hunden und W&ouml;lfen, eine deutliche sozial-kognitive Differenz besteht. Zudem konnten wir zeigen, unter welchen Bedingungen sich diese Unterschiede entwickelt haben. Wir sind sicher, dass im Verlauf der Domestizierung einige sozial-kognitive F&auml;higkeiten der Hunde &#8211; in den Grenzen ihrer Art &#8211; mit denen des Menschen gewisserma&szlig;en &quot;verschmolzen&quot; sind, in einem Prozess der Kulturalisierung. Dies ist in gewisser Hinsicht vergleichbar mit der Kulturalisierung, die man bei Affen beobachten kann, die in der Gemeinschaft mit Menschen aufwachsen.&quot;<\/span><\/p>\n<p>\n\tMax-Planck-Gesellschaft<br \/>\n\tzur F&ouml;rderung<br \/>\n\tder Wissenschaften e.V.<br \/>\n\tReferat f&uuml;r Presse- und<br \/>\n\t&Ouml;ffentlichkeitsarbeit<\/p>\n<p>\tHofgartenstra&szlig;e 8<br \/>\n\t80539 M&uuml;nchen<\/p>\n<p>\tPostfach 10 10 62<br \/>\n\t80084 M&uuml;nchen<\/p>\n<p>\tTelefon: +49(0)89\/2108-1276<br \/>\n\tTelefax: +49(0)89\/2108-1207<\/p>\n<p>\tE-Mail: <a href=\"mailto:presse@mpg-gv.mpg.de\">presse@mpg-gv.mpg.de<\/a><br \/>\n\tInternet: <a href=\"http:\/\/www.mpg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.mpg.de<\/a><\/p>\n<p>\tPressesprecher:<br \/>\n\tDr. Bernd Wirsing (-1276)<\/p>\n<p>\tChef vom Dienst:<br \/>\n\tDr. Andreas Trepte (-1238)<\/p>\n<p>\tBiologie, Medizin:<br \/>\n\tDr. Christina Beck (-1306)<br \/>\n\tWalter Frese (-1272)<\/p>\n<p>\tChemie, Physik, Technik:<br \/>\n\tHelmut Hornung (-1404)<br \/>\n\tEugen Hintsches (-1257)<\/p>\n<p>\tGeisteswissenschaften:<br \/>\n\tSusanne Beer (-1342)<\/p>\n<p>\tOnline-Redaktion:<br \/>\n\tMichael Frewin (-1273)<\/p>\n<p>\n\tISSN 0170-4656 <a href=\"http:\/\/www.mpg.de\/bilderBerichteDokumente\/dokumentation\/pressemitteilungen\/2002\/pri02120.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF-Version&#8230;<\/a> (120 kB)<br \/>\n\tWeitere Informationen erhalten Sie von:<br \/>\n\tBrian Hare<br \/>\n\tDepartment of Anthropology<br \/>\n\t<a href=\"http:\/\/www.harvard.edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Harvard University<\/a><br \/>\n\tCambridge, MA 02138<br \/>\n\tUSA<br \/>\n\tTel.: 0 01 &#8211; 6 17 &#8211; 4 95 &#8211; 98 34<br \/>\n\tFax: 0 01 &#8211; 6 17 &#8211; 4 96 &#8211; 80 41<br \/>\n\tE-Mail: <a href=\"mailto:bhare@fas.harvard.edu\">bhare@fas.harvard.edu<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.mpg.de\/de\">Max Planck Institut Deutschland<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max-Planck-Studie belegt: Einzigartige F&auml;higkeit von Hunden, mit Menschen zu kommunizieren, ist Resultat ihrer gezielten Domestizierung &nbsp; Hunde sind geschickter als Menschenaffen, wenn es darum geht, Signale des Menschen richtig zu interpretieren und beispielsweise verstecktes Futter zu finden. 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